Ja, mit Rohkost kann man abnehmen – oft sogar deutlich. Aber gerade weil es so gut funktioniert, lohnt sich ein ehrlicher Blick: auf das, was Studien zeigen, auf die typischen Fallen und darauf, wie viel Rohkost wirklich sinnvoll ist. Ich esse selbst seit rund 20 Jahren zu etwa 80 % roh und erzähle dir hier auch, was ich dabei erlebe. Wie ein ganzer Rohkost-Tag bei mir aussieht, zeige ich dir in meinem Rohkost-Ernährung Tagesplan.
Kann man mit Rohkost abnehmen?
Ja. Wer auf Rohkost umstellt, nimmt in der Regel ab – das zeigt auch die größte deutsche Rohkost-Untersuchung aus Gießen [1]. Gemüse, Wildkräuter und Obst enthalten viel Wasser und Ballaststoffe und machen satt. Nüsse, Samen und Avocado liefern reichlich Energie und gute Fette. Eine gut zusammengestellte Rohkost ist also keine Hungerkost, sondern eine vollwertige, sättigende Ernährung.
Wie hoch dein Rohkost-Anteil ist, entscheidest du selbst. Ich esse nicht immer 100 % roh – wer sich mit 100 % wohlfühlt und bewusst isst, kann das genauso tun.

Warum Rohkost beim Abnehmen hilft
- Viel Volumen, wenig Kalorien: Ein großer Teller Salat macht satt und liefert nur einen Bruchteil der Energie eines gekochten Hauptgerichts.
- Ballaststoffe: Sie halten lange satt und unterstützen die Verdauung.
- Kaum verarbeitete Lebensmittel: Fertigprodukte, Weißmehl und versteckter Zucker fallen fast automatisch weg.
- Langsames Essen: Rohes Gemüse will gekaut werden – das Sättigungsgefühl hat Zeit, sich zu melden.
Was die Gießener Rohkost-Studie zeigt
An der Universität Gießen wurden über 500 Menschen befragt, die sich seit durchschnittlich fast vier Jahren überwiegend roh ernährten [1]. Seit Beginn der Rohkost hatten die Frauen im Schnitt 12 kg, die Männer knapp 10 kg abgenommen. Die Forschenden weisen darauf hin, dass eine sehr einseitige Rohkost ohne bewusste Zusammenstellung auch zu Untergewicht führen kann.
Eine zweite Auswertung derselben Gruppe fand günstige LDL-Cholesterin- und Triglyceridwerte – und zeigte, wie wichtig Vitamin B12 bei pflanzlicher Ernährung ist [2].
Wichtig ist mir dabei: Diese Probleme entstehen nicht durch Rohkost an sich, sondern durch Einseitigkeit und Übertreibung. Wer bewusst roh isst – abwechslungsreich, mit genug Kalorien, mit Nüssen, Samen und Sprossen – und Vitamin B12 als selbstverständlichen Teil dieser Bewusstheit ergänzt, hat weder Mangel noch Untergewicht zu befürchten. Rohkost ist kein Risiko, wenn man sie mit Verstand lebt. Genau das zeige ich in meinem Rohkost-Tagesplan.
Und ehrlich gesagt: Nährstoffmängel sind kein Rohkost-Problem. Die Nationale Verzehrsstudie zeigt, dass ein großer Teil der Menschen mit ganz normaler Mischkost die empfohlenen Mengen an Folat, Vitamin D, Calcium oder Jod über die Nahrung nicht erreicht – nur spricht darüber kaum jemand [3].

Meine Erfahrung mit Rohkost
Ich ernähre mich zu etwa 80 % roh. Meine erste Mahlzeit ist ein grüner Smoothie, abends gibt es meist eine große Rohkost-Mahlzeit. Dazu esse ich ab und zu mein selbst gebackenes Mandelbrot und Rohkost-Cracker – und manchmal auch Fisch.
Die Umstellung fiel mir leicht, weil Gemüse und Obst schon immer mein Lieblingsessen waren und ich vorher bereits vegetarisch gelebt habe.
Was ich erlebe: viel Energie, gesunde Haut und Haare und ein jugendlicheres Aussehen. Meine Verdauung ist hervorragend. Abgenommen habe ich dabei auch – obwohl das gar nicht mein Ziel war.
Satt sein fühlt sich anders an. Daran muss man sich gewöhnen. Nach einer großen Schüssel Salat mit einer Handvoll Walnüssen, Sesam und Pinienkernen bin ich satt und trotzdem fit – ich könnte danach sogar laufen gehen. Nach einer Schweinshaxe dagegen wäre für mich der Tag gelaufen: Wenn ich mich heute überesse, lande ich im echten „Food-Koma“. Deshalb tue ich es einfach nicht mehr.
Die zwei Fallen: zu viel Obst und zu viel Rohkost-Kuchen
Wer mit Rohkost abnehmen möchte, sollte zwei Dinge im Blick behalten:
- Zu viel Obst: Obst ist gesund, liefert aber reichlich Zucker. Gemüse sollte den größeren Teil ausmachen.
- Zu viel Rohkost-Kuchen: Rohe Torten bestehen oft aus Nüssen, Datteln und Kokos – köstlich, aber sehr energiereich. Ein Stück passt wunderbar hinein.
Auch bei Rohkost gilt: Übertreibungen in jede Richtung tun nicht gut.

Wie viel Rohkost ist sinnvoll?
Du musst nicht 100 % roh essen, um zu profitieren. Ein guter Einstieg ist eine Rohkost-Mahlzeit am Tag – zum Beispiel ein grüner Smoothie oder ein großer Salat zum Abendessen. Wenn du dich damit wohlfühlst, kannst du langsam auf zwei Mahlzeiten steigern. Ich selbst liege bei etwa 80 % – und das ist für mich stimmig.
Worauf du achten solltest
- Vitamin B12: In pflanzlicher Rohkost steckt praktisch kein B12. Lass deinen Wert regelmäßig prüfen und ergänze B12, wenn du dich überwiegend pflanzlich ernährst.
- Langsam umstellen: Wer bisher wenig Rohes gegessen hat, bekommt anfangs oft Blähungen. Steigere den Rohkost-Anteil Schritt für Schritt.
- Genug Eiweiß und gute Fette: Nüsse, Samen, Avocado und Hülsenfrucht-Sprossen gehören dazu. Welche Quellen sich eignen, liest du in Pflanzliches Eiweiß: die besten Quellen.
So kannst du anfangen
- Rohkost-Ernährung Tagesplan: So sieht ein ganzer Rohkost-Tag bei mir aus – mit Rezepten.
- Rohkost-Rezepte: einfache Gerichte für jeden Tag.
- Chiasamen beim Abnehmen: ein kleiner Baustein, der lange satt hält.
- 21-Tage Rohkost-Challenge: drei Wochen mit Plan, Rezepten und meiner Begleitung.
Wenn du dir persönliche Unterstützung wünschst: Buche ein kostenloses Erstgespräch.
Häufige Fragen zum Abnehmen mit Rohkost
Wie viel kann man mit Rohkost abnehmen?
Das ist sehr individuell. In der Gießener Rohkost-Studie hatten Frauen seit Beginn der Rohkost im Schnitt 12 kg, Männer knapp 10 kg abgenommen. Entscheidend ist eine abwechslungsreiche Rohkost mit Gemüse, Wildkräutern, Nüssen, Samen und Sprossen.
Ist Rohkost zum Abnehmen gesund?
Ja – eine bewusst zusammengestellte, abwechslungsreiche Rohkost mit genug Kalorien, Nüssen, Samen und Sprossen und ergänztem Vitamin B12 ist eine sehr gesunde Art, abzunehmen.
Muss ich bei Rohkost Vitamin B12 nehmen?
Wenn du dich überwiegend pflanzlich ernährst, ja – pflanzliche Rohkost liefert praktisch kein B12. Lass deinen Wert regelmäßig ärztlich prüfen.
Kann ich mit Rohkost-Kuchen abnehmen?
Ein Stück Rohkost-Kuchen passt gut hinein. Weil er meist aus Nüssen, Datteln und Kokos besteht, sollten beim Abnehmen Gemüse, Wildkräuter und Salate den Hauptteil ausmachen.
Quellen
- Koebnick C. et al. (1999): Consequences of a long-term raw food diet on body weight and menstruation: results of a questionnaire survey. Annals of Nutrition and Metabolism. PubMed
- Koebnick C. et al. (2005): Long-term consumption of a raw food diet is associated with favorable serum LDL cholesterol and triglycerides but also with elevated plasma homocysteine and low serum HDL cholesterol in humans. Journal of Nutrition. PubMed
- Max Rubner-Institut (2008): Nationale Verzehrsstudie II, Ergebnisbericht Teil 2. Karlsruhe. PDF












