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Warum nehme ich nicht ab – auch wenn ich alles richtig mache?

Nachdenkliche Frau um die fünfzig am Fenster – warum nehme ich nicht ab, wenn der Körper das Gewicht als Schutz hältAufzählung Icon
Monika Gungl Portrait
Ein Blogbeitrag von:
Monika Gungl
Letzte Änderung:
3. September 2026
Lesedauer:

Es ist eine der häufigsten Fragen, mit denen Menschen zu mir kommen, und sie klingt oft verzweifelt: „Warum nehme ich nicht ab? Ich mache doch alles richtig.“ Wer diese Frage stellt, hat meist schon vieles hinter sich. Diäten, Sportprogramme, Ernährungsumstellungen, gute Vorsätze. Und trotzdem bewegt sich die Zahl auf der Waage keinen Millimeter, oder sie geht sogar in die falsche Richtung.

Wenn du im Internet suchst, findest du überall dieselben Antworten: Kaloriendefizit, Stoffwechsel, Hormone, zu wenig Schlaf, zu viel Stress. Das alles stimmt – und ist wichtig. Aber in vielen Jahren Arbeit mit Menschen habe ich gelernt, dass es manchmal eine ganz andere Antwort gibt. Eine, die in keinem dieser Ratgeber steht. Manchmal nimmst du nicht ab, weil dein Körper einen guten Grund hat, das Gewicht zu halten.

Zuerst das Wichtigste: Lass es ärztlich abklären

Bevor wir tiefer gehen, ein Satz, der mir wichtig ist: Nicht jedes hartnäckige Gewicht hat eine seelische Geschichte. Die Schilddrüse kann zu langsam arbeiten, Hormone verändern sich – besonders in den Wechseljahren –, Medikamente können eine Rolle spielen. Wenn du dir eine Gewichtsveränderung nicht erklären kannst, gehört das zuerst in ärztliche Hände. Der ganze Mensch hat eben auch Blutwerte.

Aber wenn körperlich alles abgeklärt ist und sich trotzdem nichts bewegt, dann lohnt sich eine andere, tiefere Frage. Nicht: Wie bekomme ich das Gewicht weg? Sondern: Wovor könnte es mich schützen?

Die Geschichte einer Klientin

Eine Frau kam zu mir mit genau dieser Frage. Sie war klug, diszipliniert, kannte sich mit Ernährung besser aus als die meisten. Und ihr Körper bewegte sich keinen Millimeter. Wir haben natürlich auch über ihr Essen gesprochen – aber nicht nur. Wir haben auf ihr Leben geschaut, auf ihre Beziehungen, auf das, was sie fühlte und was sie schon lange nicht mehr fühlen wollte.

Irgendwann erinnerte sie sich an eine ganz andere Zeit. Rund zehn Jahre zuvor war ihre erste Ehe zerbrochen, und damals hatte sie stark abgenommen – ohne Diät, ohne Absicht. Das Gewicht war einfach gegangen. Als wir uns diese Monate genauer anschauten, wurde ihr klar, wie sie sich damals gefühlt hatte: Sie hätte am liebsten nicht existiert. Wollte nicht gesehen werden, keinen Raum einnehmen, am liebsten verschwinden. Und ihr Körper war tatsächlich immer weniger geworden.

Zehn Jahre später lebte sie in einer neuen Partnerschaft – und diese Beziehung war gewalttätig. Diesmal wollte sie nicht verschwinden. Sie wollte Abstand. Und ihr Körper tat das Gegenteil von damals: Sie nahm zu. Auch das verstand sie zuerst nicht, bis ein Satz kam, der alles veränderte: „Fast ist es, als würde mein Körper eine Grenze ziehen, die ich selbst nicht ziehen kann.“ Bis hierher. Nicht näher. Der größere Körper schuf Distanz, machte sie weniger greifbar für einen Mann, der ihre Grenzen ständig überschritt. Was sie bis dahin nur als Problem gesehen hatte, bekam ein zweites Gesicht. Vielleicht war ihr Gewicht nicht ihr Versagen. Vielleicht war es ihr Schutz.

Und dann geschah etwas, das diese Ahnung noch einmal vertiefte. Sie musste beruflich für etwa einen Monat verreisen, weit weg von ihrem Partner. Als sie zurückkam, hatte sie abgenommen – ganz ohne Absicht. Keine neue Diät, kein Programm, nicht mehr Bewegung. Nur eines war anders gewesen: Der Mann, vor dem sie sich schützen musste, war nicht in ihrer Nähe. Und plötzlich konnte ihr Körper das Gewicht wieder loslassen.

Was diese Geschichte bedeutet – und was nicht

Ich erzähle das nicht, damit du jetzt denkst: „Aha, Zunehmen bedeutet Schutz.“ So einfach ist es nicht. Der Körper ist keine Maschine mit einem Symbollexikon, in dem jedes Kilo immer dasselbe heißt. Was für diese Frau stimmte, kann bei dir etwas völlig anderes bedeuten. Genau das ist die Stärke dieser Sichtweise: Sie zwingt uns, dich zu fragen – nicht einen Ratgeber.

Aber ein paar Dinge in dieser Geschichte gelten nicht nur für sie. Ihr Körper hat beide Male dasselbe getan: Er hat für sie gesorgt. Einmal machte er sie kleiner, weil sie klein sein wollte. Einmal größer, weil sie eine Mauer brauchte. Zwei entgegengesetzte Bewegungen, eine einzige Absicht. Ein solcher Körper ist kein Gegner – er ist, im wörtlichsten Sinn, ein Leibwächter. Er hat ausgedrückt, was sie selbst nicht sagen konnte. Wo sie kein „Nein“ und kein „bis hierher“ über die Lippen brachte, hat ihr Körper die Grenze für sie gezogen. Was wir nicht aussprechen können, spricht oft der Körper. Was wir nicht abgrenzen können, grenzt er ab.

Und noch etwas zeigt diese Geschichte: In dem Moment, in dem die Bedrohung weg war, ließ ihr Körper von selbst los. Ohne Kampf, ohne Diät. Ein Körper, der sich sicher fühlt, muss nicht mehr festhalten. Ein Nervensystem, das nicht mehr in Alarmbereitschaft ist, darf sich weiten, atmen, ruhen. Und dann verändert sich manchmal auch das Gewicht – nicht, weil man es bekämpft hat, sondern weil man es nicht mehr braucht.

Warum eine Diät hier nie funktioniert

Jetzt wird verständlich, warum bei dieser Frau keine Diät je gewirkt hat. Man kann einer Wache nicht befehlen, ihren Posten zu verlassen, solange die Gefahr noch im Haus ist. Solange der tiefere Grund nicht gesehen wird, wird der Körper das Gewicht mit einer Kraft verteidigen, gegen die keine Willenskraft ankommt. Nicht, weil der Mensch zu schwach ist – sondern weil er gegen den eigenen Schutz kämpft. Mehr dazu, warum reine Diäten so oft scheitern, habe ich in einem eigenen Beitrag beschrieben: warum Diäten nicht funktionieren.

Das ist der Grund, warum ich nicht nur mit dem Teller arbeite, sondern mit dem ganzen Menschen. Man kann das Gewicht dieser Frau aus vier verschiedenen Fenstern betrachten. Durch das eine sieht man einen Stoffwechsel, der festhält. Durch das zweite eine Frau, die sich nicht abgrenzen kann. Durch das dritte eine Beziehung, in der Grenzen überschritten werden. Und durch das vierte eine Welt, die auf ihre Waage schaut und nur eine Zahl liest, die zu hoch ist. Wer nur durch ein einziges dieser Fenster blickt, wird ihr immer dieselben Ratschläge geben – und sie wird immer wieder scheitern. Nicht, weil sie schwach ist, sondern weil die Antwort nie hinter diesem einen Fenster lag. Das ist der Unterschied, den ein integraler, ganzheitlicher Blick macht: Er sucht nicht die schnelle Lösung, sondern versteht, was unter der Oberfläche wirklich geschieht.

Die Frage, die weiterhilft

Vielleicht spürst du beim Lesen schon etwas. Vielleicht kennst du selbst Zeiten, in denen sich dein Gewicht verändert hat, ohne dass du es bewusst herbeigeführt hast. Dann lade ich dich zu einer anderen Frage ein als der, mit der die meisten beginnen.

Nicht: Warum bin ich so? „Warum“ klingt nach Schuld, und Schuld macht den Körper stumm. Sondern: Was könnte mein Körper gebraucht haben, als er sich verändert hat? Diese Frage öffnet eine Tür, die „Wie werde ich es los?“ für immer verschlossen hält.

Ein erster, kleiner Schritt

Nimm dir ein leeres Blatt Papier – nicht deine Waage, nicht dein Ernährungstagebuch. Schreib zwei Zeiten in deinem Leben auf, in denen sich dein Gewicht deutlich verändert hat, ohne dass du es bewusst wolltest. Und dann schreib daneben nicht, was du damals gegessen hast, sondern wie dein Leben damals war. Wer war da? Wer nicht mehr? Wovor hattest du Angst, was hast du dir gewünscht? Du musst nichts daraus schließen. Du legst nur zwei Dinge nebeneinander, die bisher getrennt waren: dein Gewicht und dein Leben. Manchmal beginnt genau dort das Gespräch.

Du musst das nicht allein verstehen

Manche dieser Zusammenhänge sehen wir bei uns selbst nur schwer – wir stecken mittendrin. Genau dort setzt meine Arbeit an: Ich begleite Menschen dabei, hinter das Symptom zu schauen und zu verstehen, was ihr Körper mit seinem Gewicht eigentlich ausdrückt. Nicht mit der nächsten Diät, sondern mit einem Blick auf den ganzen Menschen. Wenn du spürst, dass hinter deinem Gewicht mehr stecken könnte als Kalorien, dann lass uns in einem kostenlosen Erstgespräch gemeinsam hinschauen.

Ein Hinweis zum Schluss: Wenn du dich in der Geschichte dieser Klientin wiedererkennst und in einer Beziehung lebst, die dir Angst macht oder dir wehtut, dann hol dir bitte Unterstützung – bei einem Menschen deines Vertrauens oder einer professionellen Beratungsstelle. Du musst das nicht allein tragen.

Und du?

Kennst du Zeiten, in denen dein Körper etwas ausgedrückt hat, das du erst später verstanden hast? Schreib es mir gern in die Kommentare – oft ist schon das Aussprechen ein erster Schritt.

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Monika Gungl Portrait

Über Monika Gungl

Ich bin Monika Gungl, eine leidenschaftliche Therapeutin, Coach und Ernährungsberaterin. Mit einem ganzheitlichen Ansatz in der Psychologie begleite ich dich liebevoll auf deinem Weg zur persönlichen Entwicklung. Meine Erfahrung und mein Streben nach kontinuierlicher Weiterbildung ermöglichen es mir, dich dabei zu unterstützen, deine Ziele zu erreichen und die beste Version von dir selbst zu entfalten.

Ich freue mich darauf, gemeinsam mit dir an deinem persönlichen Wachstum zu arbeiten!

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