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Essen als Trost: Warum du dich abends tröstest – und warum das keine Schwäche ist

Frau am Abend im warmen Licht – Essen als Trost verstehen, Kummerspeck ohne Scham begegnenAufzählung Icon
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Ein Blogbeitrag von:
Monika Gungl
Letzte Änderung:
10. September 2026
Lesedauer:

Es ist Abend. Der Tag war lang, zu lang. Du hast funktioniert, für alle, den ganzen Tag. Und jetzt sitzt du endlich auf dem Sofa, und deine Hand findet den Weg zur Schokolade, zu den Chips, zum Rest vom Mittagessen. Du bist nicht hungrig. Das weißt du genau. Und du isst trotzdem.

Vielleicht kennst du auch den Moment danach. Die leere Verpackung. Die leise Stimme, die sagt: Schon wieder. Und das Gefühl, versagt zu haben.

Ich möchte diesen Beitrag mit einem Satz beginnen, den du vielleicht noch nie gehört hast, schon gar nicht von einer Ernährungsberaterin: Es ist vollkommen logisch, dass du das tust. Kein Versagen. Keine Schwäche. Keine fehlende Disziplin. Logik. Und solange wir diese Logik nicht verstehen, kämpfen wir gegen etwas, das klüger ist als jeder Diätplan.

Warum ausgerechnet Essen tröstet

Stell die Frage einmal ganz nüchtern: Wenn ein Mensch Trost braucht – warum greift er dann ausgerechnet zum Essen? Warum nicht zu einem Gespräch, einem Spaziergang, einer Umarmung?

Weil Essen der zuverlässigste Tröster ist, den es gibt. Schau genau hin. Essen ist immer da – es hat keine Öffnungszeiten, es ist um drei Uhr nachts genauso erreichbar wie am Sonntagnachmittag. Essen fragt nicht – es will nicht wissen, was los ist, es sagt nicht „jetzt nicht“ und nicht „stell dich nicht so an“. Essen wirkt sofort – eine Umarmung muss man sich erst holen, ein Gespräch braucht einen Menschen mit Zeit, die Schokolade wirkt in Sekunden. Und Essen lehnt dich nie ab. Es ist der Freund, der immer zu Hause ist.

Dazu kommt etwas, das tiefer sitzt als jede Gewohnheit. Das allererste Mal, dass dich jemand getröstet hat, hattest du keine Worte. Du hast geweint, und jemand hat dich hochgenommen, warm gehalten und dir zu essen gegeben. Nahrung und Nähe waren von der ersten Stunde an dasselbe. Wärme, Süße und Geborgenheit wurden in deinem Körper zusammen abgespeichert, als wären sie ein und dasselbe. Wenn du heute zu etwas Warmem, Weichem, Süßem greifst, rufst du eine der ältesten Erinnerungen deines Körpers auf. Das ist keine Charakterschwäche. Das ist Biografie.

Die Würde des Trostessens

Deshalb möchte ich dem Trostessen etwas zurückgeben, das die Diätwelt ihm genommen hat: seine Würde.

Denn schauen wir ehrlich hin: Es hat funktioniert. All die Jahre. Es hat dich durch Abende getragen, an denen niemand da war. Durch Wochen, in denen du nur funktioniert hast. Durch Kummer, für den es keine Worte gab. Du hast dich nicht zerstört – du hast dich versorgt. Mit dem einzigen Werkzeug, das immer griffbereit war. Ein Teil von dir hat all die Jahre auf dich aufgepasst. Er hatte nur ein sehr kleines Werkzeugset.

Das ist der Grund, warum der Begriff „Kummerspeck“ zwar ehrlich ist, aber meist falsch verstanden wird. Er ist kein Zeichen von Maßlosigkeit. Er ist der sichtbare Abdruck von Kummer, der einen Trost gesucht hat – und nur einen einzigen gefunden hat.

Warum der Trost die eigentliche Frage nicht beantwortet

Und genau hier liegt der Punkt – nicht im Trost selbst. Das Problem ist nie, dass Essen tröstet. Das Problem beginnt dort, wo Essen der einzige Tröster ist.

Denn so zuverlässig Essen tröstet, eines kann es nicht: die eigentliche Frage beantworten. Wenn du einsam bist, beruhigt das Essen deinen Körper – aber die Einsamkeit braucht Verbindung. Wenn du erschöpft bist, gibt dir das Essen einen Moment Ruhe – aber die Erschöpfung braucht echte Rast. Wenn du traurig bist, deckt das Essen die Traurigkeit sanft zu – aber die Traurigkeit wollte gesehen werden. Essen tröstet den Boten. Aber es beantwortet die Botschaft nicht.

Und weil die Botschaft unbeantwortet bleibt, klopft sie wieder an. Morgen. Übermorgen. So entsteht ein Kreis, den viele kennen: Kummer, Essen, Scham über das Essen, neuer Kummer, neues Essen. Der Trost selbst wird zur nächsten Wunde. Wie sich dieser abendliche Griff anfühlt, habe ich auch in meinem Beitrag über Frustessen am Abend beschrieben – und wenn dahinter vor allem Alleinsein steht, in Essen aus Einsamkeit.

Die Gefährten in der Schublade

Eine Frau kam einmal zu mir, weil sie abnehmen wollte. Erst als wir auf ihr Leben schauten, öffnete sich die eigentliche Tür. Vor einigen Jahren war ihr Mann gestorben, kurz darauf war das jüngste Kind ausgezogen. Sie hatte ihr Leben lang gern gekocht, für andere gesorgt, Menschen um sich gehabt – und auf einmal war alles leer. Niemand, für den sie kochen konnte. Die einsamen Abende füllte sie mit Serien, und dazu passte etwas Süßes. Erst ein Keks, ein Stück Schokolade. Bis sich eine ganze Kommodenschublade mit Süßigkeiten gefüllt hatte, immer griffbereit.

Im Coaching hielt sie einmal mitten im Satz inne und sagte etwas, das ich nie vergessen habe: „Wenn ich Süßigkeiten kaufe, ist es, als würde ich mir einen neuen Freund kaufen. Einen Gefährten.“

Da war es ausgesprochen. Es ging nie um die Schokolade. Es ging um Gesellschaft. Um jemanden, der abends da ist. Wochen später erzählte sie mir strahlend, sie habe eine neue Freundin kennengelernt und sei zum Abendessen verabredet gewesen. „Als ich nach Hause kam, war ich so glücklich, dass ich meine Gefährten in der Schublade völlig vergessen hatte.“ Sie hatte an diesem Abend gefunden, wonach sie in der Schublade immer nur gesucht hatte. Und in dem Moment, in dem das Echte da war, verlor der Ersatz seine Macht. Wir haben danach nie an ihrem Essen gearbeitet, sondern an ihren Abenden. Die Schublade leerte sich nicht durch ein Verbot – sondern weil das, wonach sie wirklich hungerte, einen anderen Platz an ihrem Tisch fand.

Und wenn du bei Kummer gar nicht essen kannst?

Vielleicht liest du das alles mit einem fremden Gefühl, weil es bei dir umgekehrt ist: Kummer nimmt dir den Appetit, bei Traurigkeit schnürt sich der Hals zu. Schau trotzdem genauer hin, denn dein Körper stellt dieselbe Frage: Wer tröstet mich? Nur ist die Antwort eine andere. Vielleicht hat dein inneres Kind gelernt, dass es in schweren Momenten am sichersten ist, nichts zu brauchen. Sich klein zu machen. Keinen Platz einzunehmen – nicht einmal auf dem eigenen Teller. Das ist dieselbe Geschichte, nur mit anderem Vorzeichen. Und für beide gilt: Nicht der Teller ist die Antwort, sondern das Gehörtwerden.

Die eigentliche Frage: Wie viele Tröster hast du?

Fast alle Menschen, die zu mir kommen, wollen wissen: Wie höre ich auf, aus Kummer zu essen? Und fast alle sind überrascht, wenn ich sage: Das ist die falsche Frage.

Die richtige lautet: Wie viele Tröster hast du? Wenn Essen dein einziger Tröster ist, dann ist nicht zu viel Essen in deinem Leben. Es ist zu wenig Trost. Und die Lösung besteht nicht darin, den einen Tröster zu entlassen, den du hast – sondern sein Team zu vergrößern. Was tröstet dich noch? Wärme? Wasser? Eine bestimmte Stimme am Telefon? Eine Decke, ein Bad, das Meer, ein Lied, zehn Minuten, in denen niemand etwas von dir will? Dein inneres Kind hat eine einzige Trostsprache gelernt. Du darfst ihm heute neue beibringen. Nicht statt der alten. Zusätzlich.

Ein erster kleiner Schritt

Wenn das nächste Mal der Griff zum Essen kommt und du weißt, dass es kein Hunger ist, dann verbiete dir nichts. Stell nur vorher eine einzige Frage: Was genau will gerade getröstet werden? Gib dem Ding einen Namen – Einsamkeit, Erschöpfung, Überforderung, Wut, die du nicht zeigen durftest. Nur benennen, mehr nicht. Und danach darfst du trotzdem essen, wenn du möchtest. Wirklich. Aber du wirst sehen: Ein Kummer, der einen Namen hat, braucht schon ein bisschen weniger Schokolade. Denn benannt zu werden – das ist bereits Trost.

Häufige Fragen zu Essen als Trost

Ist Kummerspeck ungesund?

Nicht der Trost selbst ist das Problem, sondern wenn Essen der einzige Tröster bleibt und die eigentlichen Bedürfnisse dauerhaft unbeantwortet lassen. Der Weg führt nicht über Verbote, sondern darüber, den Kreis aus Kummer und Scham zu verstehen und weitere Trostquellen zu finden.

Warum esse ich, wenn ich traurig oder gestresst bin?

Weil Essen der zuverlässigste Tröster ist, den wir kennen: immer verfügbar, sofort wirksam, nie ablehnend. Schon als Baby wurden Nahrung und Nähe gemeinsam erlebt – Trost und Essen sind im Körper eng verbunden. Zu Essen zu greifen ist deshalb kein Zeichen von Schwäche, sondern eine tief eingeübte, verständliche Reaktion.

Wie höre ich auf, aus Frust oder Kummer zu essen?

Nicht, indem du es dir verbietest – das verstärkt meist den Kreis. Hilfreicher ist die Frage: „Was genau will gerade getröstet werden?“ Wenn du das Bedürfnis dahinter benennst und nach und nach andere Trostquellen findest, verliert das Essen von selbst an Dringlichkeit.

Ist emotionales Essen dasselbe wie eine Essstörung?

Nein. Emotionales Essen ist weit verbreitet und für sich genommen keine Krankheit. Wenn es aber in regelmäßige, unkontrollierbare Essanfälle übergeht oder von großer Scham begleitet wird, kann eine Essstörung dahinterstehen – dann ist fachliche, ärztliche oder therapeutische Unterstützung wichtig.

Was ist der Unterschied zwischen echtem Hunger und emotionalem Hunger?

Körperlicher Hunger entsteht langsam, lässt sich mit vielen Speisen stillen und hört bei Sättigung auf. Emotionaler Hunger kommt plötzlich, verlangt oft nach etwas ganz Bestimmtem (meist süß oder fettig) und bleibt auch nach dem Sattsein bestehen – weil das eigentliche Bedürfnis kein Nahrungsbedürfnis ist.

Du musst das nicht allein herausfinden

Den eigenen Trostwegen auf die Spur zu kommen und ihr Team zu vergrößern, ist selten etwas, das man ganz allein schafft – oft sehen wir bei uns selbst am wenigsten, wonach wir eigentlich hungern. Genau dabei begleite ich Menschen: nicht mit dem nächsten Diätplan, sondern mit einem Blick auf den ganzen Menschen hinter dem Essen. Wenn du spürst, dass hinter deinem Trostessen mehr steckt, dann lass uns in einem kostenlosen Erstgespräch gemeinsam hinschauen.

Und wenn du tiefer einsteigen möchtest: Ich schreibe gerade ein Buch darüber, wie unser Körper mit uns spricht – durch das Gewicht, den Hunger, die Müdigkeit – und wie wir wieder lernen, ihm zuzuhören, statt gegen ihn zu kämpfen. Kein Diätbuch, kein Plan, keine verbotenen Lebensmittel, sondern ein sanfterer, ehrlicherer Weg zum eigenen Körper. Das Buch erscheint bald – trag dich mit deiner E-Mail-Adresse ein, und ich melde mich, sobald es so weit ist.

Und du?

Schau zum Schluss noch einmal auf dein liebstes Trostessen. Nicht auf die Kalorien – auf das Essen selbst. Warum ausgerechnet dieses? Die Antwort liegt fast nie im Geschmack, sondern in einer Geschichte. Welche Erinnerung liegt auf deinem Teller, ohne dass du sie je bestellt hast? Schreib es mir gern in die Kommentare.

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Monika Gungl Portrait

Über Monika Gungl

Ich bin Monika Gungl, eine leidenschaftliche Therapeutin, Coach und Ernährungsberaterin. Mit einem ganzheitlichen Ansatz in der Psychologie begleite ich dich liebevoll auf deinem Weg zur persönlichen Entwicklung. Meine Erfahrung und mein Streben nach kontinuierlicher Weiterbildung ermöglichen es mir, dich dabei zu unterstützen, deine Ziele zu erreichen und die beste Version von dir selbst zu entfalten.

Ich freue mich darauf, gemeinsam mit dir an deinem persönlichen Wachstum zu arbeiten!

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